Interview mit Gerd Meyer-Philippi

Interview mit Gerd Meyer-Philippi

Veröffentlicht am 12. Oktober 2020

maja sana® sorgt als zeitgemäße digitale Lösung gemeinsam mit dem Arzt und der maja sana® zertifizierten Apotheke für eine sichere Medikamentenversorgung zu Hause. Im Interview erklärt Gerd Meyer-Philippi weshalb es sinnvoll ist, maja sana® einzusetzen.

 

Interviewer

Herr Meyer-Philippi, wie kamen Sie und Ihr Team auf die Idee, ein digitalgestütztes System für die Medikamenteneinnahme zu entwickeln?

Gerd Meyer-Philippi

Wir sind als Unternehmen schon lange im Bereich der digitalen Medikamentenabgabe tätig. Viele Akteure im Gesundheitssektor kennen wir über Jahre, tauschen uns regelmäßig mit ihnen aus und verfolgen generell Nachrichten aus diesem Bereich. So wurden wir auf das Problem Fehldosierung mit all seinen Facetten und Folgen früh aufmerksam. Mit unserem Hintergrund und unserer digitalen Expertise war der erste gedankliche Schritt zur Entwicklung eines digitalen Systems für den Verbraucher dann gar nicht mehr so groß.

Interviewer

Geht es deswegen bei Ihrem System maja sana®so stark darum, die Abgabe der richtigen Medikamente, zur richtigen Zeit, in der richtigen Dosis, in jedem Fall sicherzustellen?

Gerd Meyer-Philippi

Ja, das ist einer der wesentlichen Pluspunkte von maja sana® und war von Beginn an unser wesentliches Anliegen.

Interviewer

Nur zum Verständnis: Weshalb brauche ich denn ein technisches System, um die richtigen Medikamente bereitzustellen? Was kann denn die Technik, was ich nicht selbst erledigen könnte?

Gerd Meyer-Philippi

Wir wissen aus Studien, dass über ein Drittel der Betroffenen ihren Medikamenten-Einnahmeplan nicht oder nur teilweise kennen. Genauso viele verstehen ihren ärztlichen Medikamenten-Einnahmeplan nicht. Und weit über ein Drittel der Betroffenen sagt, dass sie die tägliche Einnahme ihrer Tabletten häufig vergessen. Bei der Behandlung von chronischen Krankheiten verhalten sich sogar rund 50% der Betroffenen nicht adhärent. Das ist wirklich gravierend. Lassen Sie mich das mal an einem Beispiel erklären. Sie wollen die Medikamente für Ihre Mutter vorrichten. Nehmen wir einmal an, dass Ihnen zu diesem Zweck ein Medikationsplan des Hausarztes vorliegt.

Interviewer

Ja, das klingt realistisch.

Gerd Meyer-Philippi

Und schon entsteht die erste Frage: Stehen auf diesem Medikationsplan nur alle verschreibungspflichtigen Medikamente oder auch die Selbstmedikation?

Interviewer

Das könnte ich tatsächlich nicht ohne Weiteres beantworten. Es ist ja oft so, dass noch Nahrungsergänzungsmittel oder, Vitamintabletten dazu kommen.

Gerd Meyer-Philippi

Das kann so sein, muss es aber nicht. Wichtig ist, dass wirklich alle verschreibungspflichtigen Medikamente und auch die Selbstmedikation auf einem Gesamt-Medikationsplan stehen. Meist liegt ja gar kein Gesamtmedikationsplan vor, da Rezepte verschiedener Fachärzte vorhanden sind. Erst durch einen Gesamtmedikationsplan können ein Hausarzt oder Apotheker etwaige Wechselwirkungen aller Medikamente prüfen und erkennen. Denn auch Nahrungsergänzungsmittel können eine sehr unangenehme Wechselwirkung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten haben. Wenn wir aber davon ausgehen, dass Sie einen vom Apotheker geprüften Gesamt-Medikationsplan haben: Was wäre Ihr nächster Schritt?

Interviewer

Die Bestückung einer der üblichen Tablettenboxen mit Einteilungen für morgens, mittags und abends.

Gerd Meyer-Philippi

Genau. Diesen Schritt übernimmt dank maja sana® aber künftig die Apotheke. Derzeit müssen Sie aber noch jede Packung in die Hand nehmen und anhand des Medikamentenplans prüfen, ob das genau die Medikamente sind, die beispielsweise Ihre Mutter verschrieben bekommen hat. Nicht, dass Sie versehentlich die Tabletten Ihres Vaters mit denen Ihrer Mutter verwechseln. Und dann müssen die oft vielen Medikamente entsprechend der richtigen Dosis und Tageszeit auch richtig zugeordnet werden.

Interviewer

Ja, das kann tatsächlich passieren, vor allem, wenn die gleichen Medikamente nur in unterschiedlicher Dosierung, beispielweise gegen Bluthochdruck, eingenommen werden müssen. Das lässt sich wirklich nur mit hoher Aufmerksamkeit vermeiden.

Gerd Meyer-Philippi

Aufmerksamkeit ist gut, löst aber auch nicht alle Probleme. Was ist, wenn Sie die Tablettenbestückung einmal nicht persönlich vornehmen können und eine andere Person muss die Aufgabe übernehmen?

Interviewer

Das kann schwierig werden. Bisher klappt das aber zum Glück immer irgendwie.

Gerd Meyer-Philippi

Gut, zurück zum Beispiel: Sie haben die Tablettenbox mit den korrekten Medikamenten befüllt. Was ist, wenn Ihre Mutter auch mittags eine Tablette einnehmen muss?

Interviewer

Dann bräuchte ich eine neue Tablettenbox. Meiner Erfahrung nach sind weniger Fächer aber sinnvoller. Meine Mutter kommt so besser zurecht.

Gerd Meyer-Philippi

Das heißt, Sie haben schon bemerkt, dass es Ihrer Mutter leichter fällt, nur das einzunehmen, was gerade dran ist und nicht ein leeres Fach vorzufinden? Das kennen viele: Sie benötigen nicht alle Fächer in ihrer Tablettenbox. Gerade ältere Menschen werden bei einem leeren Fach unsicher, ob sie jetzt doch etwas nehmen mussten oder nicht. Sie rufen ihre Kinder oder andere Personen an und die Unsicherheit verbreitet sich. Manche nehmen auch „zur Sicherheit“ eine Tablette, was überhaupt nicht sinnvoll ist und vom Medikationsplan abweicht. Und diese Abweichung wird nicht einmal dokumentiert. Gerade ältere Menschen möchten niemanden beunruhigen und verschweigen so etwas oft. Und dann ist die Überraschung groß, wenn Mutter oder Vater wegen falscher Medikamenten-Einnahme plötzlich in eine Klinik eingeliefert werden.

Interviewer

Das kenne ich auch aus dem Bekanntenkreis. Neulich hat meine Mutter z. B. vergessen, ihre Bluthochdrucktabletten einzunehmen und dadurch starke Kopfschmerzen bekommen. Als ich sie fragte, weshalb sie sie nicht genommen hat, stellte sich heraus, dass sie vergessen hat, ein Nachfolge-Rezept zu bestellen. Ich musste sie dreimal daran erinnern, dass sie beim Arzt anruft.

Gerd Meyer-Philippi

Ja und auch das kann mit maja sana® automatisiert ablaufen. Wenn es gewünscht wird und dem explizit zugestimmt wurde, dann kann über maja sana® oder den Apotheker eine Nachricht an den Arzt ausgelöst werden. Dieser stellt dann das Folgerezept aus und übergibt es, ebenfalls nur bei ausdrücklicher Erlaubnis, direkt an die maja sana® zertifizierte Apotheke. Das ist eine enorme Erleichterung für alle Beteiligten und die Situation „Oh je, ich habe vergessen, mein Rezept zu bestellen!“ kommt dann nicht mehr vor.

Interviewer

Das klingt wirklich überzeugend! Wie ist das denn mit der Technik? Ist das auch einfach genug zu bedienen?

Gerd Meyer-Philippi

Eine zentrale Maßgabe bei der Entwicklung war die einfache Bedienbarkeit, gerade auch für ältere Menschen. Wir wollten einen nützlichen und sicheren Begleiter im Alltag der Tabletteneinnahme schaffen. Das wurde auch in langen Testreihen bestätigt: maja sana® ist sehr einfach und intuitiv zu bedienen durch seine 1-Knopf-Bedienung. Das System maja sana® besteht aus mehreren Komponenten. Einmal ein Tablettendispenser mit Touch-Monitor, der kinderleicht zu benutzen ist. In der Entwicklung haben wir eng mit dem Institut für Automatisierungstechnik und Softwaresysteme (IAS) sowie dem Institut für Konstruktionstechnik und Technisches Design (IKTD) der Universität Stuttgart kooperiert. Eine weitere wichtige Komponente des maja sana® Systems ist die App für die Angehörigen. Auf Wunsch können diese informiert werden, ob alle Medikamente entnommen wurden. Besonders gern wird die Funktion genutzt, eine Nachricht zu bekommen, wenn in einem definierten Zeitfenster keine Medikamente entnommen wurden. Denn dann besteht in der Regel Handlungsbedarf. Vielleicht liegt sogar auch ein Notfall vor, der so erkannt werdern kann.

Interviewer

Als Fazit können wir also festhalten: maja sana® sorgt als zeitgemäße digitale Lösung gemeinsam mit dem Arzt und der maja sana® zertifizierten Apotheke für eine sichere Medikamentenversorgung zu Hause.

Gerd Meyer-Philippi

Richtig. maja sana® sorgt für das richtige Medikament, zur richtigen Zeit, in der richtigen Dosis.

Interviewer

Vielen Dank für das Interview Herr Meyer-Philippi.